Das Blog
Mittwoch, 22. Februar 2012
Mutige Nonnen

Zum ersten Mal habe ich erst im vergangenen Jahr von den inzwischen deutschlandweit bekannten Nonnen aus Zweifall gehört. Damals eskalierte der Streit der beiden Schwestern mit dem Aachener Bischof auf spektakuläre Art und Weise. Die Bilder der beiden, die damals eine Kollegin machte, haben uns in der Redaktion sehr beeindruckt.
Was mögen das für Frauen sein, die dem Bischof trotzig die Stirn bieten, sich gegen die Auflösung ihres Klosters juristisch wehren und Bistumsvertretern sogar Hausverbot erteilen? Das fragten sich damals viele. Schon damals wollte ich sie unbedingt fotografieren.
Um es kurz zu machen: Es sind zwei beeindruckend starke Frauen. Schwester Regina (Foto links) lebt inzwischen rund 30 Jahre in dem Kloster, das inzwischen offiziell gar keines mehr ist, seit der Vatikan die Auflösung auf Antrag des Aachener Bistums bewilligte. Schwester Katharina (rechts) kam vor einigen Jahren aus Polen als Verstärkung hinzu, nachdem 2006 die Priorin des Klosters starb. Sie empfangen mich freundlich, wennauch ein bisschen skeptisch. Die beiden möchten in der Öffentlichkeit nicht mehr als die kämpfenden Nonnen wahrgenommen werden. "Wir führen hier schließlich ein ganz normales Kosterleben", betont Schwester Regina.
Doch ihr Fall ist so außergewöhnlich, dass sich im vergangenen Jahr schnell auch die überregionalen Medien für die Karmelitinnen interessierten. Das Schicksal ihres Klosters wird sich vor Gericht entscheiden. Mit zwei Nonnen sei ein Klosterleben nicht mehr möglich, argumentiert das Bistum. Die Nonnen entgegnen, das Kloster sei ein eingetragener Verein und könne als solcher selbst über sein Schicksal entscheiden. Freiwillig wollen die beiden jedenfalls nicht mehr weichen.
Es ist bemerkenswert, wie Regina und Katharina in der Abgeschiedenheit und Schönheit dieses Ortes leben, wie sie sich mit ihrer bescheidenen Hostienbäckerei und dem kleinen Klosterladen finanziell unabhängig gemacht haben. Und mit welchem Engagement sie für ihre Sache streiten. Warum lässt das Bistum die beiden dort oben auf ihrer Anhöhe nicht in Frieden leben? Nachvollziehbar ist dieser Streit für Außenstehende nicht.___Marco Rose
Dienstag, 14. Februar 2012
Im "Allerheiligsten"

An einem heiteren Samstag, noch vor Beginn der Frostperiode, mache ich mich auf in Richtung Maasplassen, südlich von Roermond. An der Schleuse Panheel bin ich mit Wim van Komen, einem Binnenschiffer verabredet. Sein 50 Meter langes Frachtschiff „MS Dylan“ liegt dort zum Wochenende.
Schon sein Vater war Binnenschiffer, im zarten Alter von sechs Wochen ging Wim schon mit ihm auf Tour von Groningen bis hinunter nach Frankreich und so stand außer Frage, dass er an diese Tradition anknüpfen würde.
Nun steigen wir hinunter in den Wohnbereich des Schiffes, eine komplett eingerichtete Küche, einen Wohnraum, Schlafzimmer und ein Badezimmer mit Waschmaschine und Trockner befinden sich dort. Ein paar Stufen höher geht es hinauf in die Schiffsführerkabine. Die habe ich mir so ganz anders vorgestellt. Statt eines großen Steuerrades sind dort ein Hebel und eine Menge elektronischer Apparaturen, ein Laptop mit Internetzugang und GPS.
Die 50 Meter des Schiffes erscheinen mir aus dieser Perspektive unendlich lang – und das lässt sich von hier aus exakt steuern?!
Als Partikulier transportiert Wim meistens Bausplitt über die Kanäle, die Maas und die Waal, von Antwerpen über Namur, Eindhoven, Tilburg, S´Hertogenbosch und Son. Mich wundert, dass nur 302 PS in der Lage sind, diese Fracht von immerhin 514 Tonnen zu meistern.
Wim lädt mich nun in das „Allerheiligste“ des Schiffes ein, den Maschinenraum. Über eine enge steile Treppe klettern wir nach unten. Ein wenig kommt es mir vor, wie in einem U-Boot. Ich kann ganz knapp stehen, doch Wim kann sich nur gebückt bewegen. Es ist ziemlich düster und riecht nach Öl. Doch seine Maschine ist blitzblank und gepflegt.
Bei einem Kaffee in der guten Stube erzählt mir Wim von seinem Traum, noch einmal mit dem Schiff nach Südfrankreich, abends auf dem Schiff sitzen, bei Brot, Käse und Rotwein…….davon könnte auch ich träumen!
Und heute geht es für mich in Belgien unter die Erde. Ich bin gespannt, was mich dort erwartet.
______Jutta Melchers
Samstag, 11. Februar 2012
Die Überfliegerin

Seit Oktober 2010 ist sie in Aachen Professorin an der RWTH: Regina Palkovits, gerade mal Anfang 30, NRW-Innovationspreisträgerin und dazu noch Mutter eines kleinen Sohnes.
Die junge Spitzenforscherin beschäftigt sich in ihrem Spezialgebiet mit einem der Megathemen dieses Jahrhunderts: Wie gewinnen wir möglichst klimaschonend Energie? Sie erforscht Katalysatoren, die effizienter als bisher Pflanzen zu Treibstoff umwandeln. Nicht solche, die man auch essen könnte, sondern Reste von Pflanzen, die aus energiereicher LignoCellulose bestehen, wie etwa auch Stroh und Holzspäne. Cellulose ist zwar reichlich vorhanden, ihre Umwandlung in brauchbare Einzelbestandteile aber noch energieaufwendig bzw. bedarf hoher Temperaturen. Die Katalysatoren, die Palkovits entwickelt, sollen genau dieses Problem lösen, nämlich die Stoffe bei niedrigen Temperaturen umwandeln: so dass es sich überhaupt lohnt, Kraftstoff aus Biomasse zu machen.
Das passt natürlich haargenau in das Programm des Exzellenzclusters der RWTH „Maßgeschneiderte Kraftstoffe aus Biomasse“, an dem Palkovits auch seit zwei Jahren als Externe beteiligt ist. Ihre Laborforschung betreibt sie noch am Max-Planck-Institut für Kohlenforschung in Mülheim/Ruhr, wo sie 2006 promovierte.
An dieser Stelle, muss ich gestehen, habe ich ein wenig beim Kollegen Axel Borrenkott abgeschrieben. Bei meinem Treffen mit Prof. Palkovits im Technikum von RWTH und FH Aachen habe ich mir und vor allem ihr die Fragen zu ihrer Arbeit nämlich erspart und gleich mit dem Fotografieren begonnen. Palkovits ist eine Frau, die weiß, was sie will. Und das erwartet sie auch von ihrem Gegenüber. Das merkt jeder, der sie im Kreis ihrer Doktoranden beobachtet, von denen viele kaum jünger sind als die Chefin. Sie lächelt, wenn man sie auf diese doch eher ungewöhnliche Rolle anspricht. Diese Rolle als Vorzeige-Prof. gefällt ihr offenbar nur bedingt. Irgendwie sympathisch.___Marco Rose





